„Sie ermöglichen den Zugang – Sie müssen ihn auch begrenzen!“- Tipps für Eltern im Umgang mit digitalen Spielen ihrer Kinder

Bereits zum dritten Mal fand am Dienstag, den 2.10.2018, von 19.00- 21.00 Uhr eine gemeinsame Eltern-Lehrer-Fortbildung für alle Erziehungsberechtigten und Pädagogen des Friedrich-Alexander-Gymnasiums und der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule in Neustadt an der Aisch statt. Beratungsrektor und Leiter des Medienzentrums Neustadt an der Aisch, Herr Florian Frisch, klärte die Eltern über Risiken digitaler Spiele auf und fand deutliche Worte bezüglich der Aufgaben von Eltern im Bereich einer notwendigen Medienerziehung zu Hause.

Herr Frisch, der als mediendädagogisch-informationstechnischer Berater des Referentennetzwerkes Medienpädagogik Bayern eingeladen war, begrüßte etwa 150 Eltern und Lehrkräfte der beiden Schulen. Der Schwerpunkt seines Vortrages lag auf dem Umgang mit digitalen Spielen von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren. Es ging also um die heikle Altersphase, in der v.a. Jungen einen Zugang zu einer Spielkonsole wünschen und in der  normalerweise auch ein eigenes Handy mit mobilen Spielmöglichkeiten sowie ein Tablet oder PC vorhanden sind.

Gerade für männliche Jugendliche sind digitale Spiele ein großes Thema: Besonders die herausragenden technischen Umsetzungen moderner Spiele  erschaffen eine –fast schon erschreckende-  virtuelle Realität, eine Parallelwelt, in die Jugendliche gerne abtauchen:  19% der männlichen Jugendlichen zwischen 15 und 20 Jahren spielen täglich 10 Stunden und mehr.

Die empfohlene Mediennutzungszeiten für die Altersgruppe der 10-14 Jährigen von maximal 2 Stunden täglich wird im Sog digitaler Spiele schnell überschritten: Oftmals wird bereits auf dem Schulweg oder in den Pausen auf dem Handy gespielt, am Nachmittag auf Youtube den großen Vorbildern auf dem Gaming- Channel „Let´s play“ zugesehen, wie sie ihr Können unter Beweis stellen, bis die Buben und Mädchen dann letztlich noch zusätzliche Spielzeiten an der heimischen Spielkonsole oder am PC verbringen.

Leicht wird mit exzessiven Nutzungszeiten aber der Weg zur IGD, der Internet Gaming Disorder, geebnet. Bei dieser Suchterkrankung beschäftigen sich die Betroffenen andauernd mit Internet- bzw. Online-Spielen. Die Online-Spiele werden zur dominierenden Aktivität des alltäglichen Lebens. Die Betroffenen zeigen Entzugssymptome (etwa Gereiztheit, Traurigkeit,…), wenn das Online-Spielen nicht zur Verfügung steht. Sie verbringen zunehmend mehr Zeit für Online-Spiele und Versuche, die Teilnahme an den Spielen zu beenden, bleiben erfolglos. Auch verlieren die Betroffenen Interesse an früheren Hobbies oder Aktivitäten und spielen immer weiter exzessiv Computerspiele, obwohl sie wissen, dass dies sehr negative Folgen für sie z.B. im Bereich der Schule und Ausbildung hat. Teilweise täuschen sie sogar Familienmitgliedern, Therapeuten oder anderen Personen in Bezug auf das wirkliche Ausmaß des Online-Spielens.

Nicht alle Genres digitaler Spiele bieten hier dasselbe Gefährdungspotenzial: Bei Sport- und Rennspielen wird v.a. der sportliche Wettkampf gesucht, bei Adventure-Games die Spannung bei der Lösung einer abenteuerlichen Aufgabe. Auch Jump- n- Runs sowie die sehr beliebten Simulations- und Aufbauspiele sowie Strategiespiele können meist von den Nutzern noch gut kontrolliert werden.

Gerade Rollenspiele, bei denen man in die Rolle eines Clan-Mitglieds schlüpft zur Bewältigung einer sog. „Quest“, einer Aufgabe, die gemeinsam mit anderen Spielern bewältigt werden muss, sind dagegen extrem zeitaufwändig, so dass Jugendliche Spieler schnell bei täglichen 4-5 Stunden Spielzeit angelangen. Auch sog. Endlos- Spiele, z.B. Fortnite,  der derzeitige Anführer der Spielelisten in Deutschland, bieten großes Suchtpotenzial, denn hier werde ich belohnt, je mehr Zeit ich im Spiel selbst zubringe.

Die Problematik um Shooterspiele ist vielen Eltern sicherlich bewusst:  Diese Spiele verherrlichen massiv gewalttätiges Handeln als primäre Konfliktlösungsstrategie. Aber wie packend und blutrünstig moderne (in Deutschland indizierte) Spiele wie z.B. Sniper Elite oder Battlefield wirklich sind, davon konnte sich das Publikum in anschaulichen Videosequenzen selbst überzeugen.

Und doch ist, laut Leiter des Medienzentrums, die digitale Spielewelt ein zentrales Thema gerade von Pausenhofgesprächen männlicher Jugendlicher, es entsteht ein Gruppendruck ein Zugehörigkeitsgefühl, wenn ich –in Deutschland verbotene- Spiele kenne und selbst schon –in der Gleichaltrigengruppe- gespielt habe, sie mir über internationale Downloadportale organisiert habe, für die in Deutschland vorhandene gesetzliche Regelungen zum Jugendschutz nicht gelten.

Deshalb ist in erster Linie eine frühzeitige präventive, grundlegende Medienerziehung durch die Eltern nötig, die der Experte auch in der an den Vortrag anschließenden sehr lebhaften Diskussionsrunde anschaulich vertiefte. „Sie müssen Entscheidungen fällen!“, so Herr Frisch: „Bleiben Sie mit Ihren Kindern im Gespräch, lassen Sie sich zeigen, was Ihr Kind spielt! Stellen Sie Spielkonsolen und Co. zu Hause so lange wie möglich in offen zugängliche Räume, z.B. ins Wohnzimmer! Sehen Sie sich selbst an, was Ihr Kind spielt, oder informieren Sie sich anhand von You-tube- Videos über die Spieleinhalte – und entscheiden Sie, ob ein Spiel für Ihr Kind wirklich geeignet ist! Nutzen Sie ggf. Überwachungssoftware bzw. eine Kindersicherung! Geben Sie nicht die Administratorrechte für die technischen Geräte zu Hause in die Hand Ihres Jugendlichen, sondern kontrollieren Sie selbst, was auf dem Rechner oder der Spielkonsole alles zu finden ist! Begrenzen Sie Nutzungszeiten allgemein, z.B. über Routerzeiten zu Hause, oder  auch innerhalb eines Spieles! Überlegen Sie gründlich, ob Sie Ihr Kind anfänglich kostenfreie Spiele herunterladen lassen: Die Daten Ihres Kindes geraten so ins Netz und werden zu massiven Werbungszwecken freigegeben. Und klären Sie Ihre Kinder auf über versteckte Kostenfallen, die Gratisspiele bergen: Für zusätzliche Spiel-Level oder bessere Ausrüstung können leicht Hunderte von Euros pro Monat aufgewendet werden! Setzen Sie Medien und Mediennutzungszeiten nicht als Belohnung oder Bestrafungsmittel ein, denn damit bekommen Spielzeiten eine noch größere Bedeutung im Leben von Jugendlichen!“

Weitere Informationen und Tipps können Eltern auch direkt über die Stiftung Medienpädagogik  (www.stiftung-medienpädagogik-bayern.de) sowie über die EU-Initiative „Klicksafe“ (www.klicksafe.de) erhalten.

StDin Maria Wünsche, Staatliche Schulpsychologin am Friedrich-Alexander-Gymnasium