„Endlich mal raus“ – Theaterfahrt 2020/2021

Wir leben in einer Zeit von Netflix und Co mit den neusten Filmen und Serien. Ein paar Klicks und schon haben wir das volle Kinoerlebnis - und müssen uns nicht aus dem Haus bewegen. Anders ist es mit dem Theater. Angefangen beim dem entsprechenden Ankleiden, der teilweise langen Anfahrt bis hin zu dem eigentlichen Theaterstück. Doch das ist vor allem uns Jugendlichen meist zu zeitaufwändig, zu konservativ oder einfach zu spießig. Daher bietet die Schule mit dem Projekt „Theaterfahrt“ den Schülerinnen und Schülern des FAGs ein Theater-Abo an, mit dem wir etwa einmal im Monat die traditionsreiche Kunstform des Theaters besuchen können und uns vom Gegenteil überzeugen zu können. Dieses Jahr nahmen wieder 125 Schülerinnen und Schüler der 10., 11. und 12. Jahrgangsstufe an dem Projekt teil und besuchten folgende Stücke:

„König Ubu“ von dem französischen Schriftsteller Alfred Jarry erzählt von dem machtbesessenen Pere Ubu und dessen Frau Mere Ubu, welche ein Massaker an dem König Venceslas und seiner Familie planen, um den polnischen Thron zu übernehmen. Dies gelingt ihm auch – doch nach kurzer Zeit beginnt er das Volk zu tyrannisieren und gewaltsam Steuern einzutreiben. Sein Hauptmann Bordure animiert daher den russischen Zaren Alexis gegen den gewaltsam herrschenden Diktator vorzugehen. Während Ubu sich auf einen Feldzug gegen das russische Heer vorbereitet, wird Mere vom rechtmäßigen Nachfolger gestürzt. Ubu wird ebenfalls geschlagen und flüchtet mit seiner Frau nach Frankreich. Diese Geschichte erlebten wir im Stadttheater Fürth.

Für das nächste Stück fuhren wir mit dem Bus nach Ansbach, um uns die Komödie „Der Partylöwe“ von Lars Albaum anzusehen. Es handelt von Schein und Sein in Politik und Medien sowie von kleinen und großen Beziehungsdramen. Gisberth Sturz, ein Abgeordneter aus dem Bayerischen Wald ist seit Jahren ein nicht wirklich erfolgreicher Hinterbänkler im Bundestag. Doch dann wendet sich das Blatt: Der Minister persönlich hat ihn zu einer seiner Cocktailpartys eingeladen, die schon vielen als Karrieresprungbrett gedient haben. Um dort eine gute Figur zu machen, engagiert Sturz den Comedian Tim Baumann für etwas Nachhilfe in Sachen Witz und Smalltalk. Doch das endet im Chaos…

Einen Klassiker und eines der meist gespielten Theaterstücke weltweit besuchten wir im Zuge der dritten Theaterfahrt im Nürnberger Staatstheater mit dem feministischen Stück „ Nora“ von Henrik Ibsen. Es behandelt das Leben der Nora Helmer, die in einer traditionellen Beziehung mit ihrem Mann lebt, doch im Laufe des Stückes ihre Konventionen bricht. Fixpunkt der Handlung ist ein Darlehen, das sie vor einigen Jahren heimlich im Namen ihres Vaters aufgenommen hat, um ihrem Mann Torvald einen Kuraufenthalt zu bezahlen. Der Vater stirbt aber kurz davor, weshalb sie die Unterschrift fälschen muss. Davon weiß Herr Krogstadt, den Noras Mann als seinen Angestellten kurze Zeit später entlassen will. Mit seinem Wissen will er Nora nun erpressen. Jedoch gelingt es ihr nicht, ihren Mann umzustimmen – somit erfährt Torvald anhand eines Briefes die Wahrheit. Im folgenden Konflikt zwischen Nora und ihrem Mann erkennt sie den Standpunkt ihres Lebens und trennt sich daraufhin von ihm.

Die vierte und auch schon letze Theaterfahrt brachte uns ins Ansbacher Theater, in welchem wir uns „Die Physiker“ des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt ansahen. Hauptfiguren in diesem Stück sind drei Physiker, die als Patienten in einer psychiatrischen Klinik leben. Die weitere Handlung dreht sich um die Entdeckung einer dieser Physiker. Diese nennt er „Weltformel“ und er ist davon überzeugt, dass diese in den falschen Händen zur Vernichtung der Welt führen könne. Die weiteren zwei Physiker, die sich als Albert Einstein und Isaac Newton ausgeben, sind in Wahrheit nicht gestört, sondern haben sich im Auftrag des Geheimdienstes als Agenten ins Irrenhaus einweisen lassen, um an die gut geschützte „Weltformel“ zu gelangen und sie für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Durch Tötungen der Krankenschwestern versuchen die drei ihr Geheimnis zu wahren. Doch als die Morde an die Öffentlichkeit geraten, beschließen sie die Formel zu zerstören und ihr gefährliches Wissen zu schützen, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Die eigentliche Gefahr geht jedoch von der Chefärztin, Besitzerin des Irrenhauses und der einzig wirklich Verrückten in diesem Stück, aus. Diese hat bereits Aufzeichnungen zur Weltformel kopiert. Mit dieser Formel strebt sie nun die Weltherrschaft an.

Leider fand die diesjährige Theaterfahrt dann auch schon aufgrund des Corona-Virus‘ ihr Ende. Abschließend kann man jedoch sagen, dass sich die Theaterfahrt gelohnt hat, da sie einen abwechslungsreichen Gegenpol zum stressigen Schulalltag bildet, man sich mit seinen Freunden trifft, und gleichzeitig seine literarischen und geschichtlichen Grundkenntnisse auffrischt.

Wir bedanken uns bei den Initiatoren, Frau Kern-Weber, Frau Leilich und Frau Wünsche, die uns auch wieder dieses Jahr die Theaterfahrt ermöglicht haben und uns geduldig und reibungslos vier tolle Abende beschert haben.  Ebenso bedanken wir uns bei den gesamten Lehrern, die auf Leistungserhebungen bei Teilnehmern Rücksicht nahmen.

Liv Distel, 10c